Kinder- und Jugendeinrichtungen müssen mehr mit Schulen zusammenarbeiten – und umgekehrt!

Die Arbeit des öffentlichen Dienstes soll sinnvoll und er­folgreich sein. Das ist auch für die Beschäftigten wichtig und motivationsfördernd. Vor die­sem Hintergrund werden in den komba Gremien auch im­mer wieder Positionen zu spe­ziellen Berufs- und Aufgaben­gruppen entwickelt. So hat sich der komba Bundesfachbe­reich Sozial- und Erziehungs­dienst mit der „Hilfe zur Erzie­hung“ befasst, worüber wir an dieser Stelle gern berichten.

Die Zusammenarbeit von Kin­der- und Jugendeinrichtungen mit den Schulen ist seit langem gesetzlich verankert. In vielen Handlungsfeldern hat sie in­zwischen an Praxiserfahrung gewonnen, doch gibt es noch genug Hürden, die der gemein­samen Aufgabe, den Heran­wachsenden neben einer gu­ten Bildungsgrundlage und berufsverwertbaren Fertigkei­ten auch besonders die Erlan­gung sozialer Kompetenzen zu ermöglichen, im Wege stehen. „Um gemeinsam Prozesse zu fördern, ein Kind oder einen Ju­gendlichen auf sein späteres Leben ausreichend vorzuberei­ten, muss das Leitziel beider In­stitutionen noch mehr die Ko­operation sein“, so Detlef Daubitz, Landesvorsitzender der komba gewerkschaft bran­denburg und stellvertretender Vorsitzender des Bundesfach­bereichs Sozial- und Erzie­hungsdienst.

In den Einrichtungen der Ju­gendhilfe sind oft Kinder und Jugendliche untergebracht, die auch gravierende schulische Probleme haben. Entsprechend dem im Sozialgesetzbuch (SGB) verankerten Kinder- und Ju­gendhilfegesetz (KJHG) be­kommen Kinder und Jugend­liche Hilfe zur Erziehung, wenn ihr Wohl nicht gewährleistet und Hilfe für ihre Entwicklung notwendig ist. Natürlich muss auch die Beschulung damit ab­gesichert sein. Doch damit be­ginnen oft die Probleme. Dau­bitz: „Es ist schon schwer ge­nug, einen Heimplatz zu be­kommen, der den spezifischen Notwendigkeiten des Kindes oder des Jugendlichen ent­spricht. Noch schwieriger ist dann der Schulplatz, der in op­timaler Weise auf das in den Einrichtungen Gelernte aufbaut.“

Vertrauen und konkrete Zusammenarbeit

Worin liegen die Schwierigkei­ten? Die Kinder oder Jugendli­chen waren oftmals lange nicht mehr in der Schule. Sie haben Auffälligkeiten im Sozi­alverhalten und Probleme im Lern- und Leistungsbereich. „Das erschwert massiv das Fin­den einer geeigneten Schule, mit weit reichenden Folgen für das Kind oder den Jugendli­chen in seiner zukünftigen Ent­wicklung“, bedauert Daubitz.

Damit eine Zusammenarbeit zwischen Schule und den Ein­richtungen der Kinder- und Ju­gendhilfe gelingen kann, for­muliert der Bundesfachbereich Sozial- und Erziehungsdienst folgende Punkte:

  • Eine Kooperation zwischen den beiden Institutionen kann nur gelingen, wenn bei­de Seiten vertrauensvoll und konkret zusammenarbeiten. Das beginnt schon vor der Aufnahme des Kindes oder Jugendlichen in der Einrich­tung. Die Belange der Schule sind von den Kolleginnen und Kollegen in der Kinder- und Jugendhilfe zu beachten. Es ist notwendig, dass schon vor der Aufnahme das ge­meinsame Gespräch mit der Schule gesucht wird, um das Kind oder den Jugendlichen individuell und langfristig in die Schule zu integrieren. Bei schwierigen Fällen ist immer das zuständige Schulamt zu beteiligen.
  • Es müssen individuelle Wege zur Reintegration in die Schu­le in jedem Einzelfall gefun­den werden. Es ist oft nicht möglich, dass das Kind oder der Jugendliche sofort in vol­lem Umfang am Schulbetrieb teilnimmt. Dabei ist es wich­tig, einen umsetzbaren Über­gang von Einrichtung und Schule zu gestalten und die­sen intensiv zu begleiten. Günstig wäre es, dabei ge­meinsam eine konkrete Ziel­vereinbarung abzuschließen.
  • Im Alltag muss ein regelmä­ßiger Austausch zwischen dem Erzieher und dem Lehrer erfolgen. Es muss dialogisch gearbeitet werden. Lehrer und Erzieher müssen sich re­gelmäßig, auch unabhängig von akuten Problemen, tref­fen, um die Zusammenarbeit abzusprechen und gegebe­nenfalls weiterführende Ver­einbarungen abzuschließen.
  • In Krisensituationen ist es notwendig, dass vor dem Ausspruch von Schulstrafen eine Absprache mit den Er­ziehern erfolgt. Für das Ver­trauen des Kindes oder des Jugendlichen sowohl in seine Erzieher wie auch Lehrer, aber auch zum Beispiel für das Verarbeiten beziehungs­weise Verstehen einer aufer­legten Strafe, ist es immens wichtig, dass gerade in die­sen Situationen die Verant­wortlichen eng zusammenar­beiten, sich abstimmen und gemeinsam auftreten.

Gemeinsam für die Zukunft der Kinder eintreten

„Zusammenfassend kann man feststellen, dass Schule und Jugendhilfe eine gemeinsame Aufgabe haben, die sie auch gemeinsam meistern müssen: Sie haben dafür Sorge zu tra­gen, dass Kinder und Jugend­liche, die Hilfe bei ihrer Ent­wicklung benötigen, optimal auf die Zukunft vorbereitet werden. Dabei hat jede Profes­sion ihre Schwerpunkte – auf die sie sich in der Praxis noch viel zu oft allein konzentrie­ren“, kritisiert Daubitz. Gelin­gen kann diese Aufgabe aber nur, wenn intensiv zusammen­gearbeitet wird. Eine gute Zu­sammenarbeit, so auch der Bundesfachbereich Sozial- und Erziehungsdienst der komba gewerkschaft, zeichnet sich vor allem durch gegenseitige Akzeptanz, gegenseitiges Ver­ständnis und gegenseitiges Zu­trauen aus. „Es muss das Ziel sein, eine gemeinsame Kultur der Kooperation zu schaffen“, resultiert Daubitz.