Eckpunktepapier

Eckpunktepapier zur Verbesserung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für die pädagogische Arbeit in der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung

Vorbemerkung:

In den letzten Jahren ist die Bedeutung qualifizierter pädagogischer Arbeit in der früh-kindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung, sei es durch die Pisa-Studie, durch die Dis-kussionen über neue bildungspolitische Ziele oder über den Integrationsauftrag, in den Blickpunkt der gesellschaftlichen Debatte gerückt. Dabei wurde deutlich, dass die kon-kreten Anforderungen an die Kolleginnen und Kollegen in den pädagogischen Berufen zuletzt immens gestiegen sind. Insbesondere pädagogische Defizite aus den Elternhäusern müssen in den Kindertagesstätten durch Erzieherinnen und Erzieher nachgeholt werden. Zudem erfordert die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund immer mehr
Aufmerksamkeit.

Vor dem Hintergrund des ohnehin schon belastenden Arbeitsalltages wird die Qualität
frühkindlicher Bildung in Niedersachsen insbesondere dadurch gefährdet, dass teilweise unzureichende gesetzliche Rahmenbedingungen bestehen.

Aus Sicht der komba gewerkschaft niedersachsen bedürfen insbesondere die in Niedersachsen bestehenden landesrechtlichen Vorschriften einer Verbesserung.

Aus diesem Grund möchte die komba gewerkschaft folgende Vorschläge für die
Verbesserungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen frühkindlicher Bildung,
Betreuung und Erziehung unterbreiten:

I.     Einsatz von „Zweitkräften“ in den Kindertagesstätten

Die Fachgruppe Sozial- und Erziehungsdienst der komba gewerkschaft ist davon , dass die pädagogische Arbeit in der frühkindlichen Bildung,  Betreuung und Erziehung zwingend eine qualifizierte Ausbildung als stattlich geprüfte(r) Erzieherin und Erzieher erfordert.

Die Möglichkeit des § 4 Abs. 3, S. 2 a.E. KiTaG, als Zweitkraft auch Kinderpflegerinnen oder Kinderpfleger sowie Sozialassistentinnen und Sozialassistenten einsetzen zu können, entspricht nicht den pädagogischen Bedürfnissen der Kinder. In der Praxis haben in Zeiten auch einer kommunalen Finanzkrise die Träger diese Ausnahmeregelungen aus Kostengründen zur Regel gemacht. Um einen hohen  Qualitätsstandard frühkindlicher Erziehung und Bildung zu gewährleisten, erachtet die komba den Einsatz fachlicher Assistenz daher nur im Drittkraftbereich für angezeigt.

II.    Individuelle Arbeit am Kind – Verbesserung  des Personalschlüssels

Neben den staatlich geprüften Erzieherinnen und Erziehern kann der Einsatz von  Kinder-pflegerinnen oder Kinderpflegern bzw. Sozialassistentinnen und  Sozialassistenten ein wichtiger Anteil an einer Verbesserung des derzeitigen  Personalschlüssels sein.

Die  Aufgaben des Staates in der frühkindlichen Betreuung sind in den letzten  Jahrzehn-ten deutlich wichtiger geworden. Gestiegene Fallzahlen von Kindern mit  Sozial- und Bildungsdefiziten sowie Mehrarbeit im Bereich der Integration sind  zu intensiveren Betätigungsfeldern der Pädagogen geworden. Um diese Arbeiten  erledigen zu können, ist eine individuelle Arbeit am Kind erforderlich. Diese  wiederum kann nur gewährleistet werden, wenn der Betreuungsschlüssel in  Niedersachsen deutlich verbessert wird. Gegenwärtig wird in Krippengruppen bis  15 Kinder, in Regelgruppen bis 25 Kinder und in Hortgruppen bis 20 Kinder  betreut. Der Einsatz der derzeit vorhandenen pädagogischen Kräfte hat einen Verteilungsschlüssel im Krippenbereich von 1 : 7,5 Kindern, im Regel-bereich von 1 : 12,5 und im Hortbereich von 1 : 10 Kindern. Der von der Bertelsmannstif-tung empfohlene Personalschlüssel beträgt 1 : 3 für Kinder unter 3 Jahren und 1 : 7,5 für Kinder ab 3 Jahren. Dieser ist mit dem zusätzlichen Einsatz von Assistenten als Drittkraft entsprechend auch in Niedersachsen zu gewährleisten.

III.   Fachberatung in Kitas und sonstigen Einrichtungen

Nach § 11 Abs. 1 des Gesetzes über Tageseinrichtungen für Kinder (KiTaG) sorgen die  Träger von Tageseinrichtungen für eine fachliche Beratung ihrer  Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In öffentlich-rechtlicher Trägerschaft wird diese Aufgabe in der Praxis weit-estgehend von den Jugendämtern wahrgenommen. Im  Gegensatz zu den Schulen ver-fügen die Kindertagesstätten und sonstigen Tageseinrichtungen über keine allgemein gültigen Richtlinien und Hilfeleistungen, wie etwa Lehrpläne oder ähnliches, für ihre Tätigkeit. Die pädagogische Arbeit wird ausschließlich nach den Bedürfnissen der Kinder selbst gestaltet. Dabei ist auch in diesem Bereich eine Hilfeleistung und Beratung der pädagogischen Kräfte besonders wichtig.

Wir fordern daher eine qualifizierte Unterstützung durch die Fachberatung in folgenden Bereichen:

  • der Elternarbeit
  • der Mitarbeiterführung
  • der Leitungstätigkeit
  • der Entwicklungshilfe bei der Erstellung der Konzeption
  • der Zusammenarbeit der Kindertagesstätten mit dem Träger

Zudem besteht ein erheblicher Bedarf an Unterstützung durch die Fachberatung bei der
Arbeit am Kind in folgenden Bereichen:

  • Unterstützung der pädagogischen Fachkräfte in ihrem konkreten Handeln
  • Veränderung der Sichtweise zum jeweiligen Kind durch diagnostische Informationen und reflektierende Gespräche
  • Erweiterung und Differenzierung der methodischen Möglichkeiten und Arbeitsform
  • Veränderung im Gruppenalltag, z.B. im Tagesablauf
  • Verhaltens- oder Situationsbeobachtung
  • Entwicklung von Fördermöglichkeiten

Um den ständig wachsenden Qualitätsanforderungen der Aufgaben der Fachberatung zu
genügen, muss die Fachberatung über ein umfassendes Fachwissen und praktische Fähig- keiten in den Bereichen ihrer Beratungstätigkeit verfügen.

Gegenwärtig werden von einer Fachkraft etwa 30 Einrichtungen betreut. Diese Fallzahlen und die oftmals erhebliche örtliche Entfernung zu den einzelnen Einrichtungen lassen eine angemessene Fachberatung nur in Einzelfällen zu. Hier hat die Landesregierung nach Auf-fassung der komba gewerkschaft niedersachsen sicherzustellen, dass ein kleinerer Schlüs-sel möglich wird. Aufgrund der allgemeinen finanziellen Situation der Kommunen und Kommunalverbände sehen wir dies nur gewährleistet, wenn das Land eine vollumfäng-liche Kostenübernahme hinsichtlich der Aufgaben der Fachberatung gewährleistet.

IV.   Erhöhung des Männeranteils in den pädagogischen Berufen

Es ist ein Anliegen der komba gewerkschaft auch in Niedersachsen mehr Männer für
den Beruf im Erziehungsdienst zu gewinnen. Zahlen belegen, dass dies dringend geboten ist. Der Anteil von Männern unter den Beschäftigten in Kindertagesstätten ist laut Bun-desregierung gering. Demnach sind im März 2007 beispielsweise in Tageseinrichtungen nur 3 % der Beschäftigten Männer gewesen. Die Männer fassen im pädagogischen Arbeits-feld der Kindertageseinrichtungen daher nur sehr langsam Fuß. Ein Grund dafür ist, dass die Aufgabe der Kinderbetreuung traditionell als weibliches Berufsfeld gilt.

Die komba gewerkschaft fordert daher von der Landesregierung, sich dafür einzusetzen, den Beruf des Erziehers auch für Männer attraktiver zu machen. Denn Männer sind gerade im Elementarbereich wichtig. Zudem ist es für die Persönlichkeitsentwicklung von besonderer Bedeutung, beide Geschlechtereinflüsse zu erleben. Ziel der komba gewerk-schaft ist es daher, Chancengleichheit auch für Männer zu schaffen.

V. Unterstützung bei der Einrichtung von Stellen für Vertretungskräfte

Das Land Niedersachsen gewährt für die Beschäftigten der Kindergärten und -tagesstätten
einen Personalkostenzuschuss gemäß § 16 KiTaG. Dieser lehnt sich an die Mindeststun-denzahl der laut KiTaG vorgegebenen Mitarbeiter (Erst-/Zweitkräfte) pro Gruppe an.

Da auch die pädagogischen Mitarbeiter weitergehende Gehaltszahlungen erhalten in
Zeiten wie

  • Urlaub
  • Krankheit
  • Kur
  • Abbau von Mehrleistungen

muss  jeweils für diese Zeit eine Vertretungskraft eingesetzt werden, um eine ständige Betreuung der Kinder sicherzustellen. Ab 6 Mitarbeitern müsste rechnerisch eine ständige Vertretungskraft eingestellt werden. Das Land Niedersachsen unterstützt die Träger dieser Einrichtungen nicht mit einem Personalkostenzuschuss für eben diesen Personenkreis. Mithin führt die gegenwärtige Berechnung des Personalkostenzuschusses dazu, dass die Mehrkosten dem Träger aufgebürdet werden. Aus Kostengründen werden in der Praxis dann freigestellte Kita-Leitungen, Eltern, Mitarbeiter im freiwilligen sozialen Jahr oder Praktikanten als Zweitkräfte mit eingesetzt oder aber Gruppen zusammengelegt, so dass ggf. 50 Kinder durch entsprechend weniger vorhandenes pädagogisches Personal betreut werden. Dieser Zustand kann aus pädagogischen Gründen nicht gewünscht sein. Wir fordern daher vom Land Niedersachsen, den Personalkostenzuschuss um Gelder für die Einstellung von Vertretungspersonal aufzustocken.

VI.   Ganztagsbetreuung im Schulkinderbereich

Nach § 24 Abs. 2 des Tagesausbaubetreuungsgesetzes (TAG) ist für Kinder unter 3 Jahren ein bedarfsgerechtes Angebot an Plätzen in Tageseinrichtungen und in der Kindestages-pflege vorzuhalten. Im Bereich der Kleinkinderbetreuung wird vom Land Niedersachsen bis 2013 eine Versorgungsquote von 35 % erwartet. Um diese zu erreichen, wird den Trägern auch ein finanzieller Zuschuss durch das Land in Form von rund 40 % Personal-kostenzuschuss sowie Investitionskostenzuschüssen für den Bau dieser Gruppen gewährt.

Die komba gewerkschaft niedersachsen erwartet ein vergleichbares Engagement auch im
Schulkinderbereich. In den letzten Jahren ist vermehrt feststellbar, dass der Bedarf an Ganztagsbetreuung auch hier wächst. Eine pädagogische Begleitung im Nachmittagsbe-reich findet gegenwärtig nicht statt, das heißt es wird bestenfalls eher eine „Bespaßung“
stattfinden. Stellenweise werden Vereine/andere Institutionen gebeten, die Betreuung der Kinder sicherzustellen. Eine reguläre Betreuung dagegen, wie es das TAG auch für Kinder im schulpflichtigen Alter fordert, findet nicht statt.
Das Land muss, um diesen gesetzlichen Auftrag zu erfüllen, auch in diesem Bereich Personalkostenzuschüsse und Investitionskostenzuschüsse analog zum Krippenbereich zur Verfügung stellen.

VII.  Erhalt der Förderung der Familien- und Kinderservicebüros

Durch das Programm des Landes „Familien mit Zukunft – Kinder bilden und betreuen“
sind Familien und Kinderservicebüros eingerichtet und gefördert worden. Neben der fachkundigen Beratung und Unterstützung bei allen Fragen rund um die Kinderbetreuung ist es eine zentrale Aufgabe dieser Büros, die Organisation und Koordination der vielfälti-gen Betreuungsangebote innerhalb der Gemeinde zu optimieren. Die Zuschüsse für dieses Programm werden nach gegenwärtigem Stand seitens des Landes bis zum 31.12.2011 gewährt. Um qualitative Einbußen im Bereich der Familien- und Kinderservicebüros zu verhindern, ist eine weitere Förderung dieses Programms über den 31.12.2011 hinaus angezeigt.

Wir sind davon überzeugt, dass die dargestellten Maßnahmen einen wichtigen Beitrag
zur qualitativen Verbesserung frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung leisten können und hoffen daher auf eine breite Umsetzung.

V.i.S.d.P.:     komba gewerkschaft niedersachsen, Oliver Haupt, Postfach 21 26, 30021 Hannover, Telefon: (0511) 3 36 03 06, Telefax: (0511) 3 36 03 19,

Internet:
http:// www.komba-niedersachsen.de,
Email: info@kombands.de

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