Regionalkonferenz der niedersächsischen Erzieher in Peine

Die Bilder der Veranstaltung können Sie unterwww.komba-peine.de (Bildergalerie) einsehen.

Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind dem Ruf der Fachgruppe Sozial- und Erziehungsdienst der komba-gewerkschaft niedersachsen gefolgt, und haben in Peine im Forum eine Regionalkonferenz abgehalten. Unter den Gästen konnten neben dem Landtagsabgeordneten Matthias Möhle (SPD) der Landrat Franz Einhaus (SPD) und der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Peine, Ewald Werthmann (SPD), begrüßt werden. Der Kultusminister Dr. Althusmann (CDU), der seine Teilnahme zunächst zugesagt hatte, musste sich durch den Präsidenten der Landesschulbehörde, Ulrich Dempwolf vertreten lassen, da der Kultusminister an der Plenarsitzung der Bundeskultusministerkonferenz in Hamburg teilgenommen hat. Ein Referat des Mitgliedes des Kultusausschusses des Niedersächsischen Landtages, Frau Dörthe Weddige-Degenhard (SPD) sowie des komba-Landesvorsitzenden, Dr. Peter Specke, rundete die Veranstaltung ab.

Bei den TeilnehmerInnen der Veranstaltung handelte es sich um Kita-Leitungen, ErzieherInnen und Zweitkräften sowie MitarbeiterInnen aus Jugendämtern und Jugendfreizeiteinrichtungen aus Niedersachsen. In vier Workshops über Inklusion, Ausbildung, Kindeswohlgefährdung und Rente wurde zunächst die aktuelle Lage ausgearbeitet, um Ziele und Wünsche für die nächsten Jahre zu konkretisieren. 

Die Inklusion von Kindern mit Beeinträchtigungen hat nach EU-Recht ab Mitte nächsten Jahres seine rechtliche Umsetzung im Schulbereich erfahren. Unter dem Leitsatz „Alle Menschen in ihrer Vielfältigkeit haben das Recht auf gesellschaftliche Teilhabe“ wollen die pädagogischen MitarbeiterInnen vor Eintritt der Inklusion im Bereich der Kindertagesstätten Festsetzungen mit der Landesregierung klären. 

So werden für die ortsnahe Betreuung dieser Kinder optimale finanzielle Rahmenbedingungen erwartet, wobei die Personal- und Sachfinanzierung aus einer Hand erfolgen soll. Individuelle Gruppengrößen, die an den Bedürfnissen der Kinder ausgerichtet sein müssen sowie die Erweiterung der Ausbildung der BetreuerInnen und auch der Vertretungskräfte in einem interdisziplinären Team sind unerlässlich. Bei der Inklusion wird nicht, wie bei der derzeit vorhandenen Integration das Kind der Gruppe angepasst, sondern die Gruppe dem Kind. Weiterhin ist festgestellt, dass den Betreuern neben den finanziellen Möglichkeiten für eine weitergehende Ausbildung die Zeit hierfür fehlt. Die Ausbildung ist im Netzwerk erforderlich, da eine ganze Reihe an kompetenten Fachleuten zur Verfügung stehen muss, so z. B. Psychologen, Ärzte, Logopäden, Physiotherapeuten, auch ErzieherInnen mit Fremdsprachen. Eine weitere Forderung der TeilnehmerInnen ist die Schaffung einer Studienrichtung „Inklusion“  in den niedersächsischen Fach- und Fachhochschulen für Sozialpädagogik. Dadurch ist ein höheres fachliches Niveau in der Ausbildung zum Erzieher/zur Erzieherin gewährleistet. 

Zweitkräfte führen die Gruppen ebenfalls mit. Daher muss vom Land eine einheitliche landesrechtliche Regelung geschaffen werden, ausschließlich MitarbeiterInnen mit Erzieherausbildung einzusetzen, ein europaweit gefordertes Fachhochschulstudium soll angestrebt werden. Bisher eingesetzte SozialassistentInnen und KinderpflegerInnen müssen die Möglichkeit haben, ortsnahe eine Weiterbildung und staatliche Anerkennung als ErzieherIn zu erhalten. Ebenso wurde von den Teilnehmern moniert, dass es in Niedersachsen immer noch Träger gibt, die eingesetzte ausgebildete ErzieherInnen als Zweitkräfte nach der 3 Gruppen tiefer liegenden Tarifgruppe für SozialassistentInnen entlohnen. Den augenblicklichen neuen pädagogischen Mitarbeitern fehle es oft an der Praxis. Daher wird auch hier eine betriebsorientierte praxisnahe Ausbildung gefordert, die ähnlich der Ausbildung zum VerwaltungsfachangestelltInnen oder anderen Berufszweigen über die Träger durchgeführt wird.  

Im Bereich Kindeswohlgefährdung wurde bemängelt, dass es bei Verantwortlichen aus Politik und Vertretern öffentlicher Institutionen vor Ort oft an Verständnis und Wertschätzung für diese schwierige Aufgabe mangelt. Kinderschutz ist ein sehr wichtiges Thema, Fachleute vor Ort müssen sich mehr vernetzen. Zur Abwendung einer Kindeswohlgefährdung ist ein funktionierendes Netzwerk beteiligter Stellen erforderlich, um Fachkompetenz gezielt und kurzfristig einsetzen und Maßnahmen einleiten zu können. Auch damit die MitarbeiterInnen in den Kitas sich nicht allein gelassen fühlen. Hierfür sind Ressourcen im Personal- und Zeitmanagement erforderlich, es muss auch mehr in die fachliche Qualifikation der Kita-MitarbeiterInnen investiert werden. Neben Hilfen für die Eltern bei auftretender Kindeswohlgefährdung müssen auch gezielte Hilfen für die Kinder angeboten werden, z.B. therapeutische Angebote. Eine Überprüfung der Umsetzung der Maßnahmen über das Land sei hier geboten.

Eine über 45 Jahre berufstätige Zweitkraft wird mit Einsatz als Teilzeitkraft auch mit 67 Jahren die Grundsicherungsrente ohne Zusatzversorgung oder privater Alterssicherung nicht erreichen. Einer Gruppenleitung, die 25 Kinder in einer Gruppe hat, ist grundsätzlich aufgrund ihres höheren Alters von 67 Jahren kaum die volle Verantwortung mehr abnehmbar. Hier werden alternative Vorschläge unterbreitet.

Einführung einer eigenen Altersrente für den Sozial- und Erziehungsdienst, wie derzeit noch bei den Bergleuten vorhanden, dadurch Rente mit 60 Jahren, wie es bis 2011 bei der Rente für Frauen noch möglich war. Die Wartezeit sollte – wie bei den Bergleuten auch – auf 25 Jahre verringert werden. Ausbildungszeiten sollen hierbei, wie bei den Kindererziehungszeiten auch,  als Beitragszeiten berücksichtigt sein. Ansonsten sollten pädagogische MitarbeiterInnen den Beamten mit psychischen und physischen Belastungen, wie Polizei- und Feuerwehrbeamten, gleichgestellt werden. Ein früherer Renteneintritt wäre so auch gerechtfertigt. Die Anregung hier ein umfangreiches Lebenszeitkonto einzurichten, und die ersparten Zeiten für einen frühzeitigen Renteneintritt zu nutzen, ist tariflich bereits für die kommunalen Träger möglich. Sofern die Unfallversicherungsträger die Krankheiten, die originär mit dem Beruf einer ErzieherIn in Verbindung zu bringen sind auch als Berufskrankheiten anerkennen, wie z. B. Rückenleiden oder Schäden durch Lautstärke, wäre eine Erwerbsminderungsrente aus der Kasse der Unfallversicherungsträger möglich.

Der Bereich der MitarbeiterInnen in der frühkindlichen Bildung darf kein Sammelpool für Arbeitslose oder Versuche sein, die ehemaligen Mitarbeiter der Schlecker-Gruppe in die Kindertagesstätten zu integrieren. Eine kurze Einarbeitung würde bei Weitem nicht ausreichen, die Erfordernisse der heutigen Zeit für den Bereich Bildung im Kindergartenalter zu befriedigen, da immer größere Anforderungen an die MitarbeiterInnen wegen Defiziten bei der Betreuung, Bildung und Erziehung aus dem Elternhaus gestellt werden. Die Notlösung, entsprechende arbeitsuchende Kräfte als pädagogisches Personal einzustellen, hat durch die politische Instanz sehr dem Ansehen der MitarbeiterInnen geschadet, so der Landesvorsitzende der komba, Dr. Peter Specke. Es kann nicht sein, dass auf der einen Seite die Leistung der PädagogInnen verbal anerkannt, und auf der anderen Seite nicht ausgebildete Kräfte auf das wichtigste Gut dieses Landes, unsere Zukunft – denn das sind ja unsere Kinder – für die Bildung der Kinder als vollwertige Kräfte eingesetzt werden.

Der Präsident der Landesschulbehörde Niedersachsen – als Vertreter für den Kultusminister – sprach den pädagogischen MitarbeiterInnen den Dank und die Anerkennung des Landes Niedersachsen für die Arbeitsleistung aus und verwies auf die Leistungen des Landes zur Sprachförderung, zu Projekten wie das Brückenjahr, in dem die Kinder aus den Kindertagesstätten in die Schulen erleichtert werden soll, bis zum beitragsfreien letzten Kindergartenjahr für die Wackelzahnkinder dar. Das Land hätte den bundesweit letzten Platz in der Statistik der Kinderbetreuung verlassen. Hinsichtlich der dualen Ausbildung verwies er auf einige Standorte in Niedersachsen, wie z. B. der Fachschule Oldenburg, dem Diakonie-Kolleg in Hannover, bei der bereits eine duale Ausbildung möglich sei.

Elternbeiträge auch für weitere Zeiten auch durch das Land zu zahlen, Inklusion und der Betreuungsschlüssel seien die westlichenen Punkte für die SPD zur nächsten Landtagswahl, so Dörthe Weddige-Degenhard. Auf den Fachkräftemangel, bei der ErzieherIn handelt es sich bundesweit zu einer der TOP-Mangelberufe, wies sie ebenfalls hin. Eine Erzieherausbildung „light“ – unter Hinweis auf die Ausbildung arbeitslos gewordener Mitarbeiter bei den Schlecker-Märkten, werde es mit der SPD nicht geben. Hinsichtlich einer tollen Ausbildung müssen alle beteiligten Akteure, hierzu zählen auch die Jugendhilfe und die Träger, an den Tisch, um Regelungen hierüber zu vereinbaren. An den Hochschulen müssen weitere Studienbereiche für Lehrkörper für die frühkindliche Ausbildung ausgewiesen werden. Weiterhin sollte das Modell einer dualen Ausbildung auf 3 Jahre ausprobiert werden. Es mangele an einer Fortbildung im Krippenbereich. Frau Dörthe Weddige-Degenhard sprach sich auch dafür aus, die Verfügungszeiten für die Inklusions-Krippengruppen zu erhöhen. Die finanziellen Mittel hierfür dürfen aus den bisher vorhandenen Töpfen nicht für andere Finanzierungen entnommen werden. Als Ziel für 2020 nannte sie die vermehrte Einrichtung von Familienzentren inklusive der Kindertagesstätten, in denen Mittagessen angeboten wird. Sie erwartet eine Absenkung der Regelkindergartengruppen auf 20 Kinder bei 2 pädagogischen MitarbeiterInnen sowie eine Beitragsfreiheit der Eltern für den Besuch der Einrichtungen.

Der Sprecher der Fachgruppe, Wolf Becker, versprach den Anwesenden, die Zielvorstellungen in der politischen Ebene auf Landes- und Bundesebene einzureichen, und für deren Umsetzung zu kämpfen. Leider sind es immer wieder die MitarbeiterInnen der Kindertagesstätten, die auf ihrer Insel keine Netzwerke hätten, um Ideen und Forderungen oder Vergleiche mit anderen Einrichtungen auszutauschen. Hier seien auch künftig die Gewerkschaften gefordert, für ihre Mitglieder im Netz tätig zu werden.

 

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