Sozial- und Erziehungsdienst: Ran an(s) EGO

Sozial- und Erziehungsdienst: Echte Wertschätzung. Jetzt!

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Beraten, erziehen, betreuen, pflegen, fördern, helfen – und noch viel mehr! Die Aufgaben im Sozial- und Erziehungsdienst sind vielfältig, aber eins haben sie alle gemeinsam: Der Mensch steht stets im Mittelpunkt. Jeden Tag vollbringen die Beschäftigten dort Höchstleistungen, damit unsere Gesellschaft auch eine Gemeinschaft bleibt.
Das verdient echte Wertschätzung. Jetzt!

 

Bereits im September hat der dbb/komba die Eingruppierungsregelungen für den Sozial- und Erziehungsdienst für die Tarifbeschäftigten nach TvöD gekündigt. Wann genau die Verhandlungen für eine Neufassung im Jahr 2015 beginnen, steht noch nicht fest. Aber die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren. Zeit sich einmal anzuschauen, worum es überhaupt geht.

Unter einem Tarifvertrag können sich die meisten Menschen etwas vorstellen. Sobald es aber um „Entgeltordnungen“ und „Eingruppierung“ geht, müssen viele schon passen. Dabei sind diese Dinge für die Arbeitnehmer von größter Bedeutung. Die Einkommenstabellen aus den unterschiedlichen Bereichen des öffentlichen Dienstes, etwa vom Bund, dürfte sich jeder davon Betroffene bereits angeschaut haben. Auch Stellenbewerber kennen die für Außenstehende zunächst kryptischen Kürzel wie „EG 10 TVÖD“ oder „EG S 8 TVöD-SuE“. Schließlich möchte man ja wissen, mit wie viel Geld am Monatsende gerechnet werden kann.

Die Einkommenstabellen weisen einerseits „Stufen“ aus. Sie richten sich im Wesentlichen nach der Betriebszugehörigkeit der Tarifbeschäftigten. Je höher die Stufe, desto höher das Entgelt. Andererseits zeigen die Tabellen die Entgeltgruppen (EG). Die Entgeltgruppen sind gegliedert nach der konkret auszuübenden Tätigkeiten, der Qualifikation und den unterschiedlichen Berufsbildern.

So funktioniert die Eingruppierung

Hier entsteht oft das erste Missverständnis. Denn die Zuordnung eines Tarifbeschäftigten in eine bestimme Entgeltgruppe ist keineswegs die Sache des Arbeitgebers. Durch die sogenannte Tarifautomatik erwächst aus den ausgeübten Tätigkeiten des Arbeitnehmers unmittelbar ein Anspruch auf eine Bezahlung nach einer bestimmten Entgeltgruppe. Entsprechend „wird“ ein Beschäftigter nicht eingruppiert. Er „ist“ eingruppiert; für Tarifexperten ein ganz wesentlicher Unterschied.

Und damit kommen wir zur Entgeltordnung (EGO). Denn genau dort ist festgelegt, welche Tätigkeiten welche Eingruppierung zur Folge haben. Das ist ein kompliziertes Geschäft, denn ebenso vielfältig wie der öffentliche Dienst sind die Tätigkeiten, die die Tarifbeschäftigten jeden Tag leisten. Als der dbb sich im September 2013 mit Vertretern des Innen- und des Finanzministeriums auf eine neue Entgeltordnung für den Bundesbereich einigte, sagte der Zweite Vorsitzende des dbb und Fachvorstand Tarifpolitik, Willi Russ, nicht ohne Grund: „Mit dieser Einigung geht ein langer, knapp zehnjähriger Prozess um eine neue, moderne Entgeltordnung erfolgreich zu Ende. Mit dem Regelwerk ist der im Jahr 2005 in Kraft getretene Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst für den Bundesbereich als vollständig abgeschlossen anzusehen.“ Diese Aussage zeigt nicht nur die Komplexität des Unterfanges, das harte Ringen unterstreicht auch die Bedeutung der Entgeltordnungen im Tarifgeschäft.

Trotz der Komplexität der Entgeltordnungen zu den einzelnen Tarifverträgen gelingt es nicht immer, jedem Berufsbild damit gerecht zu werden. Deshalb verhandelt der dbb beispielsweise seit langer Zeit mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) über eine eigene Entgeltordnung für Lehrkräfte, die auch in der Einkommensrunde 2015 für den öffentlichen Dienst der Länder weit oben auf der Agenda stehen wird.

Sozial- und Erziehungsdienst

Im Jahr 2009 hatte sich der dbb/komba nach langwierigen Verhandlungen und wochenlangen Streik mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) auf eine Entgeltordnung für die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst geeinigt.

Seither gilt in diesem Bereich eine eigene Entgelttabelle. Eine Reihe struktureller Probleme konnte jedoch nicht gelöst werden. Deshalb hat der dbb/komba die bisherigen Regelungen gegenüber der VKA zum 31. Dezember 2014 gekündigt und bereitet nun mit seinen Mitgliedsgewerkschaften die Verhandlungen vor.


Die Forderungen für die bevorstehenden Tarifverhandlungen zum Sozial- und Erziehungsdienst sind beschlossen: echte Wertschätzung und bessere Bezahlung für die Kolleginnen und Kollegen im Sozial- und Erziehungsdienst! Meinungen aus der komba Bundestarifkommission:

2Sandra van Heemskerk(Foto: @ privat)

Sandra van Heemskerk, Vorsitzende des komba Bundesfachbereichs Sozial- und Erziehungsdienst und Mitglied in der komba Bundestarifkommission:
„Nun sind wir mit der Verabschiedung der Forderungen im Sozial- und Erziehungsdienst den ersten wichtigen Schritt in Richtung Verhandlungen gegangen und werden das Ziel, die Aufwertung der sozialen Berufe, fest im Auge behalten. Es sollen spürbare Verbesserungen am Ende herauskommen und dafür werden wir in den nächsten Monaten kämpfen.“

3Andreas Hemsing (Foto: @ Archiv komba gewerkschaft)

Andreas Hemsing, stellvertretender Landesvorsitzender der komba gewerkschaft nrw und stellvertretender Vorsitzender der dbb Bundestarifkommission:
„In beiden Bereichen muss es eine spürbare Aufwertung und Wertschätzung dieser gesellschaftlich enorm wichtigen Berufsfelder geben. Die Einkommen der Kolleginnen und Kollegen im Sozial- und Erziehungsdienst sind vergleichsweise zu der Verantwortung, die sie tagtäglich für Menschen übernehmen, und den Beitrag, den sie für die Gesellschaft leisten, viel zu gering. Deswegen sind unsere Forderungen nach einer gerechten Eingruppierung und verbesserten Arbeitsbedingungen wichtig und gerechtfertigt!“

Soziale Berufe – endlich wertschätzen!


4Wertschätzung und bessere Bezahlung!

 

Für die bevorstehenden Tarifverhandlungen zum Sozial- und Erziehungsdienst fordert die Bundestarifkommission des dbb in ihrer heutigen Sitzung eine echte Wertschätzung und bessere Bezahlung der Berufe im Sozial- und Erziehungsdienst.

 

Hierzu wurden folgende Eckpunkte beschlossen:

Grundeingruppierung

ab Entgeltgruppe S 5: Kinderpflegerinnen / Kinderpfleger
ab Entgeltgruppe S 10: Erzieherinnen / Erzieher, Heilerziehungspflegerinnen / Heilerziehungspfleger und Heilerzieherinnen / Heilerzieher
ab Entgeltgruppe S 11: Leiterinnen / Leiter
ab Entgeltgruppe S 15: Sozialarbeiterinnen / Sozialarbeiter und Sozialpädagoginnen / Sozialpädagogen

Gerechte Eingruppierung

Erweiterung der S-Entgeltgruppen
Eingruppierung in derselben EG / Stufe beim Stellenwechsel
Stufengleiche Höhergruppierung
Zeiten für Vor- und Nacharbeiten im Erziehungsdienst
Den Master eingruppierungswirksam anerkennen

Berücksichtigung neuer Tätigkeiten und Heraushebungsmerkmale

Überprüfung / Aktualisierung aller Tätigkeitsmerkmale
Ergänzung / Aktualisierung von Berufen, Berufsbezeichnungen, Abschlüssen und Einrichtungen
Zusatzqualifikationen berücksichtigen

Darüber hinaus fordert der dbb Neuregelungen für die Leitungspositionen. So sollen zum Beispiel die Eingruppierungsmerkmale von Leiterinnen / Leitern und Stellvertreterinnen / Stellvertreter im Erziehungsdienst von Kopfzahlen als alleiniges Kriterium entkoppelt werden.

Der sich abzeichnende Personalmangel wird nicht nur dazu führen, neues und gut qualifiziertes Personal gewinnen zu müssen. Maßgebend wird auch sein, dem vorhandenen Personal gute Rahmenbedingungen zu bieten, damit dieses ein Erwerbsleben lang gesund und einsatzfähig bleibt. Daher fordert der dbb auch Verbesserungen im Gesundheitsmanagement und für die Jugend.

Das Recht zur detaillierten Ausgestaltung und Ergänzung der Forderung für die Tarifverhandlungen zum Sozial- und Erziehungsdienst wurde der dbb Verhandlungskommission für den Sozial- und Erziehungsdienst eingeräumt.

Im Januar 2015 werden wir die Beschlüsse mit unseren Mitgliedern vor Ort im Rahmen der Wertschätzungstage rückkoppeln.

Der Niedersächsische Wertschätzungstag findet am 22. Januar 2015 ab 17.30 Uhr im Forum in Peine, Winkel 30, 31224 Peine, statt.

 

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