Medikamentengabe in Kindertageseinrichtungen (Kita)

Die Frage, ob, und in welchem Maße Medikamente in einer Kindertagesstätte verabreicht werden können, verunsichert die Kolleginnen und Kollegen in den Einrichtungen. Der Braunschweigische Unfallversicherungsverband hat hierzu die nachstehende Ausführung veröffentlicht, der Abdruck geschieht mit freundlicher Genehmigung des GUV Braunschweig.

Die Diskussion über das Thema „Inklusion“ ist in aller Munde. Immer mehr Kinder mit Handicap sollen normale Kitas besuchen. Das ist eine gute Sache, denn alle Kinder – nicht behindert und behindert – profitieren von dieser Gemeinschaftserfahrung. Allerdings muss in diesem Zusammenhang auch das Thema Medikamentengabe berücksichtigt werden. Der Kita-Alltag mit behinderten und chronisch kranken Kindern stellt die Beschäftigten vor besondere (auch rechtliche) Herausforderungen. Auf was muss grundsätzlich bei der Gabe von Medikamenten geachtet werden, unabhängig davon, ob ein Kind behindert, chronisch krank oder einfach nur erkältet ist.

Praxisbeispiel: Karin ist drei Jahre alt und leidet unter Diabetes Typ 1. Sie soll jetzt in die Kita gehen. Die Eltern fragen bei der Kita-Leitung an, ob das Team während der Betreuungszeit den Insulinspiegel messen sowie Insulin spritzen kann. Sie erklären der Leiterin, wie sie mit dem Insulin-Pen umgeht und den Blutzucker misst. Die Leitung hat da Zweifel, möchte Karin aber dennoch den Besuch der Kita ermöglichen.

Rechtlicher Hintergrund: Eine eindeutige rechtliche Verpflichtung zur Verabreichung von Medikamenten während des Aufenthaltes in der Kita gibt es allerdings nicht. Grundsätzlich ist es jedoch zulässig, dass die Sorgeberechtigten Dritte mit der Medikamentengabe betrauen dürfen. Es handelt sich um eine privatrechtliche Vereinbarung zwischen den Sorgeberechtigten und dem Träger der Einrichtung.

Form:  Es sollte eine detaillierte schriftliche Aufgabenübertragung erfolgen. Mit folgenden Punkten: – Bezeichnung des Medikaments – Dosierung – Uhrzeit und Form der Verabreichung – Lagerung des Medikaments – Mögliche Nebenwirkungen – Maßnahmen, die im Notfall zu ergreifen sind – Name und Telefonnummer der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes Eine aktuelle schriftliche Verordnung der Ärztin / des Arztes sollte vorliegen, aus der hervorgeht, wann welches Medikament in welcher Dosierung verabreicht werden muss. Die Übertragung muss durch die Sorgeberechtigten unterschrieben sein, gegebenenfalls müssen beide Elternteile unterschreiben.

Umgang mit Medikamenten: In der Kita sollten folgende Punkte klar geregelt sein: – Genaue Beschriftung der Medikamente (Verwechslungsgefahr vermeiden) – Abgabeberechtigte sowie eine Vertretungsregelung namentlich festlegen – Gegebenenfalls Schulung von Abgabeberechtigten (zum Beispiel bei Insulingabe) – Keine Aufbewahrung der Medikamente im Erste-Hilfe-Schrank, Aufbewahrung unter Verschluss Bei Erkrankungen, bei denen es zu lebensbedrohlichen Zustandsbildern kommen kann (Epilepsie, Allergien auf Insektenstiche und weitere), ist die Vorgehensweise detailliert in Absprache zwischen Arzt, Sorgeberechtigten und der Kita festzulegen.

Versicherungsschutz besteht:  Bei der Frage, ob im Zusammenhang mit der Verabreichung der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung besteht, ist es wichtig, dass die Personensorge von den Sorgeberechtigten auf die Kita oder die Erzieherinnen und Erzieher übertragen wurde. Unfälle bei der Medikamentengabe durch eventuelle äußere Gewalteinwirkung (Zahn wird ausgestoßen, Verletzungen im Gesicht) sind ebenso versichert wie auftretende Krankheitserscheinungen nach der Verabreichung eines falschen Medikaments. Erleidet ein Kind einen Gesundheitsschaden, weil die gebotene und vereinbarte Medikamentengabe unterlassen wurde, besteht keine Anerkennung auf Leistung durch die gesetzliche Unfallversicherung. An dieser Stelle entschädigen andere Versicherungen, zum Beispiel die Krankenkassen. Je nach Einzelfall ist aber auch die Erzieherin und der Erzieher oder der Kita-Träger persönlich haftbar. Bei grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz kann der Unfallversicherungsträger Ersatz der durch den Versicherungsfall entstandenen Aufwendungen geltend machen.

Fazit:  Eine Medikamentengabe ist grundsätzlich möglich. Unverzichtbare Voraussetzung dafür ist die schriftliche Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten und eine schriftliche Medikation der behandelnden Ärztin / des behandelnden Arztes. Die verantwortliche Mitarbeiterin oder der verantwortliche Mitarbeiter muss gegebenenfalls eine detaillierte Einweisung in die Verabreichung des Medikaments erhalten. Das Arzneimittel ist sicher aufzubewahren. Jede Verabreichung wird dokumentiert.

Janina Kosmis-Ulrich
Braunschweigischer Gemeinde-
Unfallversicherungsverband
 
Nachfolgender Link zum Beitrag und zu weiteren Unterlagen zu diesem Thema:  

http://www.bs-guv.de/fileadmin/uploads/Teaser_Boxen/NaSe/2015_01_nase_web.pdf

http://publikationen.dguv.de/dguv/udt_dguv_main.aspx?FDOCUID=26311

 

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